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Auf den Blickwinkel kommt es an

Wie viele Orte in Dänemark ihren Ursprung in der Wikingerzeit haben mögen, kann wohl nicht gezählt werden; aber die Zahl der Orte, die bereits in der Bronzezeit einst als Siedlung gegründet wurden, ist zumindest etwas überschaubarer. Zu diesen ehemaligen Bronzezeit-Siedlungen gehört auch die heutige Stadt Varde, Verwaltungssitz der gleichnamigen Kommune. Wie groß diese Siedlung war, ist bis jetzt nicht hinlänglich bekannt - aber die geringe Entfernung zur Nordsee und der kleine Fluss als Anlaufstelle für Boote lassen vermuten, dass sich hier so einige Fischer bereits vor mehreren tausend Jahren aufgehalten und gelebt haben. Da der Fluss an einer Stelle eine Furt oder Übergangsstelle besaß (später wurde hier eine Brücke errichtet), konnte zudem wanderndes Volk passieren. Die Spuren dieser Besiedlung zeigen sich auch heute noch beeindruckend zum Beispiel im "Ganggrab von Mejls".
Namentlich erwähnt in schriftlichen Quellen wurde Varde erstmals im Jahr 1107, das genaue Alter kann wie gesagt nicht sicher datiert werden. Interessant hierbei ist, dass der Städtename direkt von Beginn an in zwei Schreibweisen dargestellt wurde: in "Warwath" und in "Warwick". Die Vorsilbe steht in beiden Versionen etwa für "Grünland", "Strand" oder ein anderes Gebiet, welches noch nicht erschlossen wurde. Die beiden angehängten Silben "wath" und "wik" stehen für "Furche" und "Bucht" und zeigen somit auf, dass es darauf ankam, ob man die Siedlung von der Land- oder der Wasserseite aus betrachtete.  

Von Bauern und Burgen

Als das Wikingerlager, welches sich im ausgehenden 11. Jahrhundert nahe der St.-Jacobi-Kirche befand, aufgegeben wurde und die Nordmannen sich aus diesem Gebiet zurückzogen, hielt das frühmittelalterliche Leben und auch die christlichen Verhaltensweisen Einzug im damals noch kleinen Varde. Zu erkennen war das natürlich vor allem an der eben erwähnten Kirche und noch einem weiteren Gotteshaus, aber auch das Handelswesen der Markttreibenden und Bauern musste sich nun an ganz neue Regeln halten.
So wird in Schriften aus dem 12. Jahrhundert mehrmals der sogenannte "Bryden" erwähnt, eine Art königlicher Amtmann, der im ganzen Varde Syssel (Verwaltungsgebiet) die Belange des Königs zu vertreten hatte und nach dem Rechten gucken musste. Dieser residierte in der ältesten Burg der Stadt, dem "Vardehus", welche auch als Verwaltungszentrum des gesamten Gebiets galt. Die Burg lag westlich der Stadt, direkt neben dem Flüsschen von Varde und bot den Bürgern neben königlicher Präsenz auch einen gewissen Schutz.
Doch diese "königliche Überwachung", die die Umsetzung des göttlichen Ständesystems auszuführen hatte, erzeugte im Laufe der Zeit große Probleme. Daran konnte auch das Verlegen der Burg um 1300 herum, künftig Vardehus II genannt, in der Nähe des südlichen Teils von Varde nichts ändern; die Behandlung der Markt- und Handeltreibenden und vor allem der Bauern war nicht gut, sodass es zwangsläufig eines Tages zu einem handfesten Konflikt kommen musste. Dieser Tag ereignete sich schließlich im Jahr 1439: aufständische Bauern stürmten die Burg und zerstörten diese. Die Folgen daraus sollten allerdings noch verheerender sein.... 

Erst Feuer und Flamme, dann kommunaler Mittelpunkt

Denn schon im selben Jahr antwortete der Reichsrat auf das Vorgehen der Bauern und brannte Varde nieder. Das traf die Stadt mitten ins Herz und viele unschuldige Bürger verloren nicht nur ihr Hab und Gut, sondern ihr Leben. Diejenigen, die überlebten, wanderten teilweise ab, andere halfen beim Wiederaufbau - und ließen Varde durch ihre fleißigen Hände zu einem der größten Handelszentren im Mittelalter werden. Deswegen verwundert es auch nicht, dass das Handelsstadtsiegel von Varde das älteste Stadtwappen Dänemarks ist. Im August 1442 wurde Varde zudem mit den ersten Stadtprivilegien durch König Christoph III. betraut. Dadurch wurde zwar der "Landprang", der Landhandel offiziell verboten, dafür erhielten die Kaufleute der Stadt aber auch das exklusive Handelsrecht.  
Trotz des wirtschaftlichen Aufblühens sollte Varde auch im Laufe der nächsten Jahrhunderte nicht von zerstörerischen Feuern verschont bleiben - fast schien es, als wäre die Stadt seit des ersten Niederbrennens im Jahr 1439 auf eine gewisse Art verflucht. Die beiden schlimmsten Brände wüteten in den Jahren 1779 und 1821, wobei das letzte Feuer das größte war und unzählige Menschenleben sowie Gebäude als Opfer forderte. Umso höher anzurechnen ist es da, dass auch dieses Mal die Bewohner von Varde nicht aufgaben und ihre Stadt erneut zu wirtschaftlichem Glanz verhalfen, sodass sie sich bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts als kommunaler Mittelpunkt der Region einen Namen machen konnte. Die Feuer hatten also zum Glück nichts von Vardes wirtschaftlichem Ruf der letzten 4 Jahrhunderte wegbrennen können.

Kleine Stadt ganz groß

Heute ist Varde erneut Verwaltungssitz, dieses Mal sogar von der gleichnamigen Kommune, die sich von Ansager im Osten bis Blåvandshuk im Westen, von Skallingen im Süden bis Nymindegab im Norden erstreckt. Dadurch finden sich hier verschiedene Landschaftsbilder, die zu großartigen Naturerlebnissen auf Wanderungen, Radtouren und Ausritten einladen. Erwähnenswert ist hier "Tambours Garten" ungefähr 7 km vor den östlichen Toren der Stadt, eine liebevoll gestaltete Grünanlage mit sowohl einheimischen als auch exotischen Pflanzen. Zudem geht es in Varde sehr gemütlich zu, nicht so trubelig wie in der 18 km entfernten Großstadt Esbjerg. Zum Beispiel befindet sich in Vardes Stadtzentrum auch heute noch ein kleiner Flusshafen, der früher von immenser Bedeutung war und heute eine Anlaufstelle für Erholungssuchende darstellt.
Der Stadtkern ist sehr ansehnlich und einladend gestaltet mit so einigen Geschäften, Boutiquen, Restaurants, Cafés, Ausstellungen und Museen - nur leider sind durch die bereits erwähnten Brände kaum noch Bauwerke aus dem Mittelalter vorhanden. Umso interessanter zu bewundern sind deswegen die wenigen Gebäude, die den Flammen trotzen konnten. So sollte also der St.-Jacobi-Kirche aus dem 11. Jahrhundert, das "Haus von Sillasen" von 1797, dem alten Rathaus aus dem Jahr 1872 und dem Schultzke Gaard auf jeden Fall ein Besuch abgestattet werden. 
Wer aber nur zu gerne einmal sehen würde, wie Varde vor den verheerenden Bränden ausgesehen haben möge, der kann sich einen Miniatur-Nachbau der Stadt anno 1868 im Arnbjerg Park angucken. Dort werden die Bauwerke im Maßstab 1:10 in liebevoller Handwerksarbeit von sogenannten "Minimaurern" hergestellt und vermitteln einen tollen Blick auf das historische Varde. Im Stadtmuseum kann darüber hinaus der Lebensstiel einer typischen Kaufmannsfamilie aus der Zeit um 1900 nachempfunden werden. Neben zeitgenössischem Mobiliar und Alltagstextilien sind auch Prachtstücke wie Tafelsilber und Keramik ausgestellt.

Attraktionen:

Varde Fritidscenter

Das "Varde Fritidscenter" ist eine ganz hervorragende Adresse, um gemeinsam mit der ganzen Familie oder auch im großen Freundeskreis einen lustigen und abwechslungsreichen Tag zu verleben. Denn hier gibt es so allerlei sportliche Aktivitäten, die allein oder auch gemeinsam ausgeübt werden können. So gibt es ein Schwimmbad mit Wasserrutsche, Wellenbecken und Schwimmbahnen, Handball-, Tennis- und Fußballplätze, aber auch ein Fitnessbereich und Gymnastikkurse. Und für eine Stärkung zwischendurch oder Belohnung zum Schluss gibt es im hauseigenen Café allerlei leckere Gerichte auf der Speisekarte.

Museum Frello - Varde Stadtmuseum

Das städtische Museum inmitten des Zentrums von Varde hat sich ganz und gar den einzigartigen Werken des bekannten Malers Otto Frello verschrieben. Die Gemälde sind so detailiert, dass sie selbst beim mehrmaligen Betrachten immer wieder aufs Neue faszinieren. Die kleinen Besucher können Kunst hier auch mit Hilfe einer "Schatzsuche" spannend erleben, zudem gibt es auch noch kleine andere Ausstellungen, die wechselnd das Programm des Museums bestücken.

Minibyen Varde

Wer einmal die älteste Miniaturstadt der Welt bestaunen möchte, der kann dies in Varde tun: das "Minibyen Varde" im Arnbjergpark in Vardes Stadtzentrum ist eine originalgetreue Nachbildung der Stadt im Maßstab 1:10 aus dem Jahr 1866. Natürlich ist Varde schon viel älter, jedoch sorgten die zahlreichen Brände dafür, dass die meisten Gebäude deutlich jünger sind als der mittelalterliche Straßenverlauf.
Die Miniausgaben der Gebäude werden von sogenannten "Minimaurern" in liebevoller Handarbeit hergestellt. Dabei handelt es sich um versierte - und oftmals bereits pensionierte - Handwerker, die sich rund um das Jahr treffen und weiter an dieser einzigartigen Ansicht der Stadt arbeiten.

Filsø

Der Filsø umfasst ein Areal von über 900 Hektar inmitten einer über 2300 Hektar großen Naturfläche. Ursprünglich war der See mehr als doppelt so groß, allerdings mischte sich der Mensch bereits im 12. Jahrhundert aktiv in die Entwicklung des Sees und des Gebiets drumherum ein; so regulierte einige Zeit ein Stauwerk die Größe des Gewässers und obwohl dieses am Ende des 18. Jahrhunderts wieder entfernt wurde, so war die Landgewinnung schon in vollem Gange.
Durch die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche schrumpfte der Filsø immer weiter und wäre vielleicht eines Tages sogar ganz verschwunden. Aber im Jahr 2010 wurde der See von der Stiftung Aage V. Jensen Naturfond gekauft und es konnte ein großes Areal durch Renaturierungsmaßnahmen bewässert und dem Gewässer wieder angeschlossen werden. Die Vogelwelt hat den Filsø inzwischen gut angenommen, es gibt einen idyllischen Rad- und Wanderweg und seit 2017 kann dem See quasi ein "hautnaher Besuch" auf einer elipsenförmigen Brücke abgestattet werden.

Legeborgen Varde

Die "Spielburg Varde", so die deutsche Übersetzung, hält einiges bereit, um kleinen und auch großen Gästen gemeinsam einen Tag voller Spiel und Spaß zu bereiten. So gibt es unter anderem einige Spielmaschinen, an denen virtuelle Abenteuer erlebt werden können, Hüpfburgen und Tische für Billard, Tischfußball und Tischtennis stehen überall auf der Fläche, es gibt für die kleinen Besucher einen Fundus mit Verkleidungen und für die leckere Stärkung zwischendurch bietet das "burgeigene" Café eine familiengerechte Speisekarte an.