Inhalt

Wir beraten Sie gern!04102 - 67 72 03 - 0

Nicht Ripper, sondern Ripa

Die Geschichte von Dänemarks ältester Stadt Ribe (zu Deutsch Ripen) ist leider nicht durchgehend schriftlich festgehalten worden. Die Wikinger nutzten zwar die Runen als Schrift, jedoch wurde vieles eher in mündlichen Überlieferungen und Liedern weitergegeben. Wo dann die geschriebene Historie fehlt, helfen zum Glück Artefakte längst vergangener Zeiten weiter, die im Erdreich verborgen waren. So wurden in und um Ribe unzählige Funde aus der frühesten Wikingerzeit zutage gefördert, die noch einmal eindrucksvoll unterstreichen, dass die Entstehung der Stadt zwischen die Jahre 704 und 710 datiert werden kann. Und obwohl es bis jetzt nicht offiziell bestätigt wurde, so munkeln viele Forscher, dass Ribe durch sein frühes Entstehungsdatum sogar die älteste Stadt von ganz Skandinavien sein könnte.
Als Ribe entstand, war von seiner prunkvollen und einflussreichen Zukunft im Mittelalter allerdings noch nichts zu ahnen. Es war nicht mehr als eine von vielen Siedlungen der Nordmänner, die sich stets lukrative Stellen an Nord- und Ostsee sowie an den zahlreichen Fjorden suchten. "Ripa" (altdänisch für Plural "Streifen") wurde diese Siedlung getauft, denn der errichtete Handelsplatz bestand aus mindestens 70 Grundstücksparzellen, die wie Streifen aneinander lagen.
Die Entwicklung von Ribe ging aber viel schneller vonstatten als bei so manch anderen Siedlungen zu dieser Zeit. Die hervorragende Lage am Meer und am Fluss Ribe Å war es, die Ribe zu dem wichtigsten Hafen an der Nordsee werden ließ - und diesen Titel hielt die Stadt bis ins Jahr 1700! Die bereits früh aufkeimenden Handelsverbindungen besonders zu Norddeutschland, England und den Niederlanden festigten Ribes wirtschaftliche Stellung und die vertriebenen Handwerksarbeiten wie Metallgießerei, Lederverarbeitung, Webarbeiten und Töpferei waren in den anderen Ländern sehr beliebt. Ebenso importierte die Stadt aber auch Waren, wie der Fund einer sogenannten Kleeblattkanne im Jahr 2015 auf einem städtischen Friedhof eindrucksvoll bezeugt: die fast 1.000 Jahre alte Kanne wurde nur in Belgien und Frankreich hergestellt und ist die erste ihrer Sorte, die auf dänischem Grund gefunden wurde.

Wo Gott sein erstes Heim in Dänemark bekam

Doch nicht nur die Handeltreibenden hatten starkes Interesse an dem aufstrebenden Ribe, auch ein Mann mit einer ganz anderen Absicht wollte die Stadt für seine Zwecke nutzen: Ansgar von Bremen. Der gottesfürchtige Missionar ersuchte bereits im Jahr 860 bei König Horik II. um die Erlaubnis, in Ribe die erste Kirche Skandinaviens erbauen zu dürfen. Da der König selbst dem christlichen Glauben sehr aufgeschlossen gegenüber war und um den weitreichenden Einfluss davon wusste, kam er Ansgars Ersuchen nach.
Dieser begann sogleich mit dem Bau einer einfachen Holzkirche und legte damit tatsächlich den Grundstein der Christianisierung in ganz Skandinavien. Der christliche Glaube erfreute sich steigender Beliebtheit in der Bevölkerung und so wurde bereits im 12. Jahrhundert die Holzkirche durch ein steinernes Gotteshaus ersetzt. Durch die enge Verbundenheit der Kirche erlangte die Stadt bereits im Jahr 1117 den Titel eines Bischofssitzes und hat diesen bis heute inne. Es wurden ein Domkapitel und eine Domschule gestiftet, vier Klöster wurden errichtet und sechs weitere Kirchen wurden in der Stadt erbaut. Allerdings zeigte die Reformation auch in Ribe Auswirkungen, denn der Einfluss der Kirche sank stetig und die Klöster wurden geschlossen. Dennoch blieb die Stadt auch weiterhin ein geistiges Zentrum und die Domschule wird selbst heutzutage noch als Lateinschule genutzt.

"Unde dat se bliven ewich tosamende ungedelt"

Ungeachtet des kirchlichen Einflusses und der späteren Problematik mit der Reformation wuchs und gedieh Ribes Handel prächtig, was den Hafenort bis ins 14. Jahrhundert hinein zur reichsten Stadt Dänemarks machte - obwohl ihm erst hundert Jahre zuvor das Stadtrecht verliehen wurde. Der König ließ hier eine Burg errichten, "Schloss Riberhus" mit Namen, welches vom 12. bis zum 14. Jahrhundert laufend von der Königsfamilie genutzt wurde und besonders der Aufenthalt von Königin Dagmar, die in der Region für ihre milde Barmherzigkeit verehrt wurde, verschaffte der Burg Bekanntheit. Diese ist bis heute ungebrochen, unzählige Touristen finden jährlich den Weg zur "Riberhus Slotsbanke", wie die Burgüberreste genannt werden, und auch eine Skulptur von Königin Dagmar ist hier zu finden.
Durch Ribes immensen wirtschaftlichen Einfluss, der selbst den König faszinierte, und seine wichtige politische Lage mit Unterstützung der Kirche wurde es auch zum Schauplatz eines Vertragsschlusses, der zu damaliger Zeit einen der größten Konflikte Dänemarks und Norddeutschlands endlich lösen sollte. Im Jahr 1460 wurde der "Vertrag von Ripen" geschlossen, der die Unteilbarkeit der beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein besiegeln sollte; denn während Schleswig zeitweise vollständig von der dänischen Krone annektiert worden war, gingen Teile Holsteins lediglich als Lehen an Dänemark. Der dänische König Christian I. unterzeichnete schließlich den Vertrag als Wahlkapitulation und der Ausspruch "Unde dat se bliven ewich tosamende ungedelt" (auf Hochdeutsch "Und dass sie auf ewig ungeteilt zusammenbleiben") ist über die Jahrhunderte hinweg zu einem Schlagwort Schleswig-Holsteinischem Bewusstseins geworden.

Wo selbst ein Wikinger es sich gemütlich machen würde

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebten ungefähr 5.000 Menschen in Ribe (die Bewohner werden Ripensere genannt), was die Stadt zu einem der größten Orte im nordeuropäischen Raum machte. Zum Vergleich können zwei deutsche Hansestädte zu damaliger Zeit genommen werden: Hamburg hatte ungefähr 10.000 Einwohner, Lübeck etwa 25.000 Einwohner. Doch auch das christliche Ribe blieb nicht vor Unheil verschont: Brände, Sturmfluten und die Pest setzten der Stadt in vielen Jahrhunderten nachhaltig zu, und als im 17. Jahrhundert Soldaten in Ribe stationiert wurden, brach dazu noch eine große Armut über die Bürger herein. Dadurch dezimierte sich die Einwohnerzahl auf 2.000, was sich bis in das 19. Jahrhundert nicht mehr ändern sollte.
Auch heute präsentiert sich Ribe als inzwischen kleines Städtchen im Vergleich zu Kopenhagen und Aarhus. Rund 8.000 Einwohner leben in Ribe und man könnte meinen, auf Grund der verlorenen wirtschaftlichen Macht im Land wäre hier nichts mehr los - doch weit gefehlt! Denn selbst wenn die Stadt längst nicht mehr so einflussreich ist wie vor einigen Jahrhunderten noch, so ist Ribe dennoch Dänemarks älteste Stadt und präsentiert sich herrlich gemütlich. Alte Bauten wie die Domkirche, das ehemalige Rathaus, der große Kaufmannshof und die vielen bunten Fachwerkhäuser machen Ribe einfach liebenswert auch im Erscheinungsbild. Die Gassen bestehen oftmals aus Kopfsteinpflaster und seit über 500 Jahren hat sich der Verlauf der Straßen nicht geändert.
Neben allerlei Sehenswürdigkeiten wie den altertümlichen Gebäuden, den Museen und dem Wikingerzentrum, welches das Leben der Nordmänner originalgetreu abbildet, bietet Ribe an vielen Stellen ein Plätzchen zum Ausruhen und Entschleunigen. Sei es auf einer Bank am Fluss Ribe Å oder in der beeindruckenden Altstadt, überall wird eines großgeschrieben: Gemütlichkeit. So verwundert es auch nicht, dass einige Geschäfte selbst in der heutigen rastlosen Zeit bereits am späten Nachmittag ihre Türen schließen. Der Feierabend ist schließlich heilig und ein kühles Bier oder ein heißer Kaffee schmeckt in Gesellschaft doch am besten. Und wenn dann auch noch diese zauberhafte Kulisse der Stadt ins Blickfeld rückt, dann spürt wohl ein jeder, was das berühmte dänische Wort "hygge" bedeutet.

Attraktionen:

Domkirche in Ribe

Der Dom hat eine auffallend bewegte Geschichte und wurde ursprünglich als dreischiffige Kirche mit zwei gleich hohen Türmen erbaut. Im Jahre 1283 stürzte einer der beiden Türme jedoch ein, der Schutt wurde wiederverwendet und der 52 Meter hohe Bürgerturm, welcher dann im 14. Jahrhundert als Festung der Stadt diente, wurde errichtet. Auch in den folgenden Jahrhunderten fanden einige bauliche Veränderungen statt und verhalfen dem Dom so zu seinem heutigen Erscheinungsbild. Der Bürgerturm kann über den Dom betreten werden und bietet Ausblick von den Wiesen im Osten über die Dächer der Stadt bis hin zu den Mooren im Westen.

Ribe Wikingerzentrum

Ungefähr zwei Kilometer südlich von Ribe befindet sich das "Ribe VikingeCenter". In dem naturgetreu nachgebauten Wikingerdorf wird neben theoretischen Erkenntnissen viel Wert auf das lebendige Darstellen des Lebens von Wikingerfamilien und Handwerkern gelegt. Insbesondere während des Sommers zeigen Handwerker ihre Tätigkeiten wie z.B. Schmieden und Goldschmieden, Drechseln, Bernsteinschleifen und den Menschen kann bei ihrer täglichen Arbeit sowie der Essenszubereitung zugesehen werden (probiert werden darf übrigens auch).
Spezielle Aktionen runden im Sommer das Programm, welches im Internet eingesehen werden kann, ab. Dies kann der Bau eines Wikingerbootes, Märkte oder z.B. auch eine Falkner-Vorführung sein. Die Besucher werden so weit wie möglich mit eingebunden und dürfen sich im Bogenschießen üben, Mehl mahlen, Fladenbrot backen, Holznägel spalten oder an einem Kriegertraining teilnehmen.

Museet Ribes Vikinger

Das "Museet Ribes Vikinger" hält allerlei Wissenswertes rund um die Geschichte von Ribe bereit, die besonders von der Wikingerzeit über das Mittelalter bis hin ins Jahr 1700 beleuchtet wird. Dafür gibt es verschiedene Ausstellungsflächen und sowohl kleine als auch große Besucher können die bewegte Vergangenheit der Stadt in verschiedenen Aktivitätsausstellungen hautnah erleben.
Es werden inzwischen auch ausländische Ausstellungen wie zum Beispiel aus China betreut, die zwar nicht im direkten Kontext zu Ribes Historie stehen, aber ebenfalls sehr interessant und umfangreich sind und zur Aktivität auffordern.

Nachtwächterrundgang

In den vergangenen Jahrhunderten gab es in Ribe Nachtwächter, deren Aufgabe es war, nachts für Sicherheit und Ordnung in den Straßen zu sorgen. Dafür wurden sie mit einem Morgenstern ausgerüstet, denn die Wege in der Stadt waren dunkel und verwinkelt, sodass ein Überfall schnell begangen werden konnte. Darüber hinaus sollten die Nachtwächter im Falle einer rasch einsetzenden Sturmflut die Einwohner alarmieren, um Flutopfer zu verhindern. Um zu beweisen, dass der Nachtwächter wach war, musste dieser zu jeder vollen Stunde einen Vers singen - und das die ganze Nacht hindurch.
Der letzte echte Nachtwächter Ribes stellte seine Arbeit übrigens im Jahre 1902 ein. 1935 jedoch erlebte der Nachtwächterrundgang seine Renaissance, diesmal allerdings als Attraktion für Touristen. Heutzutage startet der kostenlose Rundgang in den Sommermonaten in der Fußgängerzone und hält allerlei interessante Geschichten über die Stadt, aber auch gruselige Anekdoten über Hexen und Gespenster bereit.

Ribe Kunstmuseum

Ausstellungen unterschiedlichen Formats werden im "Ribe Kunstmuseum" gezeigt. Auch sind immer wieder wechselnde Sonderausstellungen zu sehen, die sich mit verschiedenen Themen beschäftigen. Eins haben alle jedoch gemeinsam, sie repräsentieren ausschließlich dänische Künstler. Eine tolle Annehmlichkeit ist das Angebot, sich im Museumsshop kostenlos ein iPad zu leihen. Wenn die Inventarnummer, der Titel oder der Künstler eines Kunstwerks eingegeben wird, können viele wissenswerte Informationen darüber auf dem Tablet gelesen werden.

Vadehavscentret

Am 03. Februar 2017 öffnete das Vadehavscentret (zu Deutsch: Wattenmeerzentrum) seine Pforten und begeistert schon auf den ersten Blick mit seiner einmaligen Architektur: Dach, Dachüberstände und Fassaden sind aus Reet gefertigt und Robinien verbinden die Gebäudeteile miteinander; zudem passt sich das Gebäude mit seiner Bauweise perfekt an das flache Marschland an.
Im Vadehavscentret erfahren die Besucher jeden Alters viel Wissenswertes über den "nassesten Nationalpark" Dänemarks, das Wattenmeer; auch gibt es eine Ausstellung über die Zugvögel in diesem Gebiet, die sich gestalterisch optimal in das Zentrum einfügt und zahlreiche spannende Einblicke in einen ganz einzigartigen Lebensraum gibt. Auf über 1000m² Fläche erstreckt sich das Zentrum, welches aber nicht nur zu Ausstellungs- und Schulungszwecken genutzt wird, sondern auch einen besonderen Platz für geschäftliche Treffen bietet und außerdem noch ein leckeres Café sowie einen bunten Shop präsentiert.