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Wo man über das Wasser gehen konnte

Viel ist über die Historie von Holstebro nicht überliefert; die Entstehung der heutigen Kleinstadt im Nordwesten Jütlands mit ungefähr 37.000 Einwohnern soll aber auf jeden Fall vor dem Jahr 1274 liegen, auch wenn sie dort erstmals schriftlich unter dem Namen "Holstatbro" erwähnt wurde. Kannen- und Krugfunde an mittelalterlichen Siedlungsplätzen im Stadtzentrum lassen sich aber bis ins 12. Jahrhundert zurückdatieren und bescheinigen Holstebro somit eine mindestens 100 Jahre ältere Geschichte - und es würde nicht verwundern, wenn dort schon viel früher Bauern und Fischer siedelten.
Denn Holstebro, heute die größte Stadt in der gleichnamigen Kommune, wurde an einer sehr günstigen Stelle gegründet; hier befand sich einer der wenigen Furte, um den Bach Storå zu überqueren, der sich über ganze 104 Kilometer erstreckt und an einigen Stellen schon fast eher einem ordentlichen Fluss gleicht. Die wichtige Bedeutung zur Überquerung des Flüsschens wird auch durch den Namen Holstebro ersichtlich: hier wurde schon bald eine Brücke erbaut, was auch die letzte Silbe -bro bezeugt, während "holstat" mit "Loch an einer Stelle" oder "Senke beim Bach" zu deuten ist.

Fischfreuden und Wollwonne

Im Mittelalter ging die Entwicklung Holstebros rasant voran - da Westjütland, damals noch unter dem Namen "Hardsyssel" verzeichnet, ein lukrativer Knotenpunkt des Handels war, erlangte auch die zunächst nur als ausgedehnte Siedlung angelegte Ortschaft immer größere Bedeutung. Vor allem Viehhandel und später auch Fischerei galten als Quellen ordentlicher Einnahmen. Da das Flüsschen Storå aber nach einer recht kurzen Zeit eine stetige Überfischung aufzeigte, wurden die maritimen Nahrungsmittel größtenteils nur noch für den eigenen Haushalt genutzt; der Viehhandel aber blühte in der Renaissance noch einmal richtig auf, es wurden eifrig Verbindungen mit den aufstrebenden Städten am Limfjord geschmiedet und unter anderem auch mit Ribe als wichtiges Handelszentrum (hier war der größte Absatzmarkt für Ochsen angesiedelt).
Über Ribe kamen schließlich auch vielversprechende Handelsbeziehungen mit Hamburg und Lübeck zustande, hier ging es aber vorrangig um Wolle; für dieses Erzeugnis war Holstebro über die Landesgrenzen hinaus bekannt und es sollte den Wohlstand der Stadt im 16. Jahrhundert noch um einiges mehren. Aber weder Vieh noch Korn oder Wolle konnten verhindern, dass Holstebro im gleichen Jahrhundert und auch noch im nächsten immer wieder unter schweren Bränden zu leiden hatte, die große Teile der Bevölkerung in die Armut oder zum Abwandern trieb. Doch die Könige der betreffenden Zeiten hatten ein Einsehen mit den schlimmen Umständen und erließen für größere Zeiträume Steuern und alle anderen Verpflichtungen. Das half der Stadt maßgeblich, sich von den Bränden und Kriegsleiden nachhaltig zu erholen.

Stadt der steinernen und lebendigen Figuren

Heute präsentiert sich Holstebro als lebhafte und geschäftige Kleinstadt, wann genau sie das Handels- und Marktrecht erhielt, ist jedoch schriftlich nicht überliefert worden. Hier befindet sich eine der größten Fußgängerzonen Dänemarks und es gibt neben einigen größeren Kaufhäusern auch viele Fachgeschäfte, Restaurants und Cafés. Beliebt ist es zudem, sich am Ufer der Storå ein wenig "hyggelige" Zeit allein oder mit Familie und Freunden zu machen. Auch wird gerne, wenn das dänische Wetter es zulässt, auf dem Stadtsee in einem geliehenen Kanu gepaddelt, es gibt Spielplätze, ein Erlebnisbad und ein Golfplatz. Für Langeweile in der Freizeit ist in Holstebro also definitiv kein Platz!
Die Stadt ist aber auch sehr kunst- und kulturliebend, was nicht nur zahlreiche Galerien, Ausstellungen und Museen beweisen; vor allem das "Odin Teatret" (zu Deutsch "Odin Theater"), welches 1966 entstand, erfreut sich überregionaler Bekanntheit. Hierbei handelt es sich nämlich nicht um ein Theater im klassischen Sinne, sondern um eine von Theaterkünstlern selbstverwaltete Institution. Mittlerweile veranstalten diese nicht nur althergebrachtes Straßentheater, sondern auch in und um Holstebro die verschiedensten kulturellen Aktivitäten.
Das Stadtbild wird außerdem auf besondere Weise durch etliche Skulpturen und Plastiken in den Straßen geprägt. Mitten in der Stadt befindet sich der "Trylleklippen" (zu Deutsch "Zauberfelsen"), eine Skulptur, bei der das Begehen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht ist. Vor dem historischen Rathaus kann die Plastik „La femme au chariot“ von Alberto Giacometti, einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, bestaunt werden und es gibt zahlreiche weitere Plastiken und Skulpturen, die sich auf das gesamt Stadtgebiet verteilen. Besonders sehenswert ist aber auch die Kirche der Stadt, die Holstebro Kirke. Sie wurde anstelle der im Jahre 1906 abgerissen mittelalterlichen Kirche erbaut, viele Einrichtungsgegenstände der Mittelalterkirche sind aber in die neue Kirche übernommen worden, darunter auch zwei Epitaphe und drei imposante Kronleuchter. Das älteste Objekt jedoch ist die etwa 500-jährige Altartafel, auf der bedeutende Ereignisse der christlichen Geschichte eingemeißelt sind.